Heliodor HiStory

Geschichte des Heliodor Labels
 
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Heliodor HiStory

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Gepostet: 19.10.2017 - 18:27 Uhr  ·  #1
Von Harald Bluschke (Discographie, Infos und Abbildungen)
und Dieter Moll (Text, Anmerkungen zur Discographie)


 
Bis in den Sommer 1958 hinein glich Deutschland außer dem im Mai 1954 gestarteten London-Label der Teldec auf den ersten Blick eher einer Diaspora, was die Veröffentlichung amerikanischer Rock´n´Roll-Songs anging. Auf den zweiten Blick vertrieb die Deutsche Grammophon Gesellschaft (DGG) als Tochter der Firma Siemens seit 1953 über Brunswick deutsches und US-Decca-Material in der 12000er Vinyl-Serie (Schellack: 82000er Serie), darunter die Aufnahmen von Bill Haley & The Comets. Ebenfalls seit 1953 war das US-Coral-Label ein DGG-Vertragspartner über die legendäre 93000er Serie, die neben dem Rock´n´Roll Trio ab Anfang 1957 auch ein Jahr später Buddy Holly hier bei uns veröffentlichte. Ab Ende 1959 übernahm die DGG auch noch die Vertriebsrechte für US-MGM-Veröffentlichungen (vorher Electrola) mit der 61000er Serie für Platten von Connie Francis, Conway Twitty, Mark Dinning und Jimmy Jones, doch das ist eine andere Story. Konkurrenz belebt das Geschäft und die DGG mit ihrem Hauptlabel Polydor gründete eine neue Abteilung ihres als Teenager-Marke 1956 wiederbelebten Heliodor-Labels, dessen Anfänge mit Gründungsdatum bereits auf den 29. Juli 1914 datiert sind. Dort erschienen in der Serie 78 0001 bis 78 0160 insgesamt 138 Schellackplatten und in der Serie 45 0001 bis 45 0323 zwischen 1956 und 1959 insgesamt 307 Vinyl-Singles von deutschsprachigen Nachwuchskünstlern, Volksliedinterpreten und der farbigen, am 23.8.1932 in Pittsburgh, Pennsylvania, geborenen Olive Moorefield, dem damaligen Star zahlreicher Heimatfilme. Ab Juni 1958 wurde die 3000er Vinyl-Serie für hiesige Veröffentlichungen mit gegenüber Polydor kleinerer Auflage für amerikanische Teenager-Stars an den jungen Käufer in speziellen Ecken der Plattenbars gebracht, die bis Januar 1964 lief und erst durch den britischen Beat-Boom zu ihrem Ende kam. Erst 1965 legte Polydor dann bei Lizenzmaterial kleinerer Firmen eine neue eigene, international vertriebene 421000er Serie auf, die u.a. Material von Modern, Aladdin, Vault und King veröffentlichte, weil internationales Repertoire in Deutschland salonfähig geworden war.

Heliodor wurde von Juni bis September 1958 für Cadence-Material und dann ab Oktober 1958 für Lizenzierungen zahlreicher US-Labels über UK-Decca neu ausgerichtet, weil man seitens der DGG die mit deutschen Schlagern belegte Hauptmarke Polydor nicht zu sehr mit internationalen Titeln mischen wollte, andererseits aber durchaus ähnlich jungen Zeitschriften wie der seit 26.8.1956 erscheinenden Zeitschrift ´Bravo´ das Potential der jungen Käufer wahrnahm, denen man zutraute, zumindest in kleinerer Stückzahl US-Musik zu kaufen. Sinn machte die neue Serie, als Heliodor Teile der Lizenzrechte von UK-Decca für die Firma Cadence Records von Archie Bleyer erhielt und die ersten zwölf Heliodor-Singles ausschließlich mit Cadence-Material herausbrachte, was auf der Marke Polydor mit eigenem Nummerierungssystem unübersichtlich gewesen wäre. Bis in das späte Frühjahr 1958 hinein waren die Lizenzen von Cadence zwischen der englischen Marke London (UK-Decca) und dem über AEG/Teldec vertriebenen deutschen London-Label vergeben. Dann wurde Heliodor sogar Lizenznehmer für den Back-Katalog von bereits hier veröffentlichten Cadence-Songs der Everly Brothers zur Neuverwertung mit Rechten für u.a. Holland (auch innerhalb der dortigen eigenen Serie 45 3901 bis 45 3930), Dänemark, Frankreich, Spanien, Uruguay, Argentinien und Italien. Die Vertriebspartner der Heliodor waren in Frankreich Festival, in Spanien Hispanovox, sowie in Argentinien und Uruguay die Firma Phillips. Auch die familiär mit Bleyer verbundenen Chordettes wurden mit ihrem Back-Katalog lizenziert, und zusätzlich kam mit dem vorher ebenfalls auf London DL erschienenen Andy Williams ein vermeintlich zugkräftiger Interpret (sein erster deutscher Hit war 1963 für CBS!), dem bald mit Johnny Tillotson der erste echte Heliodor-Teenagerstar folgte.

 
In der Gründungsphase der 3000er Heliodor-Serie gab es einerseits Überschneidungen mit London DL, andererseits ab Mitte 1958 US-Interpreten auf Heliodor, die natürlich in England weiter auf London herausgebracht wurden, weil US-Firmen wie United Artists, Laurie, Del-Fi, Big Top, Dunes und Cadence zum dortigen Programm gehörten. Umgekehrt rang sich nicht nur Heliodor aus den Vertragsschlüssen einen Vorteil von der englischen Decca/London ab, sondern UK-London in die andere Richtung ebenfalls. So veröffentlichte Heliodor über seine DGG-Vertriebspartner auch typische englische und deutsche London-Stars wie Fats Domino, Ricky Nelson, Jimmie Haskell, Ernie Freeman und April Stevens in Ländern, welche die Teldec und UK-Decca vorher nicht oder sehr schlecht erreichten (z. B. Uruguay und Argentinien). Insbesondere von Ricky Nelson erschienen in Argentinien zahlreiche Platten auf Heliodor und auch der markante Fats Domino wurde in Uruguay und Argentinien ein „echter“ Heliodor-Star, so beispielsweise mit „Quiero Acompanarte A Casa“ (so hiess das englisch gesungene „I Want To Walk You Home“ in Uruguay).

 
Zu den Überschneidungen mit London DL gehören die erste Heliodor-Platte 45 3001 (vier Wochen vorher erschienen auf London DL 20166) und die vierte Platte 45 3004 (vorher: London DL 20163). Aus dem Back-Katalog der Everly Brothers wurden u.a. London-DL-Titel wie „Bye Bye Love“ und „Wake Up Little Suzie“ (beide aus 1957) und von den Chordettes „Born To Be With You“ (aus 1956) übernommen. Es gab aber auch Stiel-Blüten typischer Lizenzierungen: als Travis & Bob im März 1959 einen US-Hit mit „Tell Him No“ auf Sandy 1017 hatten, wurde die Platte dank UK-Decca-Lizenzierung des US-Dot-Vertriebes etwa gleichzeitig auf London DL 20243 und Heliodor 45 3033 (April 1959) herausgebracht, weil offensichtlich die Lizenzierung mit UK-Decca und die daraus resultierenden Vereinbarungen für Dot-Vertragspartner mit London DL „übersehen“ wurden, da für Heliodor keine andere US-Dot-Platte lizenziert wurde. Korrekt liefen die Verträge zwischen UK-Decca als Ventil für Laurie, Class, Del-Fi und der DGG ab, die dazu führten, dass einige US-Songs (Kathy Zee, Fabian, Frankie Avalon) in den 23000er und 66000er Polydor-Serien (auch Holland) Ende 1958/Anfang 1959 in Deutschland erschienen, bevor die DGG ab Juni 1959 Fabian und Frankie Avalon über Heliodor veröffentlichte, da Heliodor offensichtlich mit kleineren Presszahlen als das Mutterlabel kalkulierte und sich nach dem ersten dutzend Veröffentlichungen mit Cadence-Material nun als Label für von UK-Decca lizenzierte amerikanische Firmen etabliert hatte. Vorher war aber im März 1959 noch „Venus“ von Frankie Avalon auf Polydor 66913 erschienen. Warum der Class Records-Künstler Eugene Church im Februar 1959 in Deutschland und Holland mit „Pretty Girls Everywhere“ auf Polydor 66909 veröffentlicht wurde, während der zugkräftigere Class-Hit-Interpret Bobby Day mit „The Bluebird, The Buzzard & The Oriole“ im gleichen Monat in kleinerer Auflage über Heliodor 45 3024 vertrieben wurde, immerhin aber mit dem Song auf Heliodor 45 6019 auch in Argentinien erschien, darüber darf gerätselt werden. In seinem Todesmonat Februar 1959 wurde Ritchie Valens mit „La Bamba“ und „Donna“ auf Polydor 66910 und im November 1959 auf Polydor 66918 mit „Ooh My Head“ und „Little Girl“ veröffentlicht (auch in Holland), während die Nachauflage von Polydor 66910 im März 1962 als Heliodor 45 3119 erschien. Der Anlass der neuen Veröffentlichung war wohl die Tatsache, dass Ritchie Valens im Januar 1962 mit „La Bamba“ und „Ooh, My Head“ auf London 9494 auch in England erschienen war. Es scheint also zunächst 1958/Anfang 1959 so gewesen zu sein, dass alle Lizenz-Veröffentlichungen, die nach Verkaufserfolg aussahen, Polydor zugeteilt wurden. Andererseits wurden auch zahlreiche Heliodor-US-Songs eingedeutscht auf Polydor von hiesigen Interpreten herausgebracht, wenn man nur an die Honey Twins, Peter Kraus, Ted Herold, Ralf Paulsen oder Peter Steffen denkt. Da in Deutschland die Hitparaden zum einen noch sehr deutschsprachig ausgeprägt und zum anderen von den tatsächlichen Plattenverkäufen abhängig waren, schafften selbst Achtungserfolge wie Heliodor 45 3001 (Everly Brothers), 45 3003 (Chordettes) und 45 3012 (Johnny Tillotson) nicht die deutschen Charts. Der erste echte Heliodor-Hit der 3000er Serie gelang ab September 1959 ausgerechnet der US-Studioformation John Buck & The Blazers mit dem Instrumental „Chi Chi“ (45 3028), welches bei 28 Wochen in den Musikmarkt-Charts immerhin 8 Wochen in den Top-10 mit höchster Position Platz 7 (6./13.2.60) stand. Zum Vergleich: die von Polydor schnell mit Ralf Paulsen produzierte Textversion „Tränen in deinen Augen“ (24089) hatte die gleiche Top-10-Laufzeit und sie erreichte ebenfalls im Oktober 1959 Platz 7, war aber „nur“ 24 Wochen in den Charts. Sogar Heliodor-Teenystar Johnny Tillotson, von dem immerhin zahlreiche LPs, EPs und Singles herausgebracht wurden, kam lediglich im Februar 1961 mit seinem US-Superhit „Poetry In Motion“ (45 3086) bei 8 Wochen Laufzeit auf eine höchste Position 38 in der Verkaufshitparade. Bei seinem nächsten hiesigen Charts-Erfolg im Dezember 1963 mit „You Can Never Stop Me Loving You“ dank der Version von Bernd Spier („Das kannst du mir nicht verbieten“) gab es die Firma Heliodor für US-Interpreten schon nicht mehr.
 
Einen Superhit schaffte Heliodor ab 1.2.1961 mit „Corinna, Corinna“ (45 3096) von Ray Peterson, das 17 Wochen in den Top-10 stand, stramme 44 Wochen in den deutschen Charts blieb und am 28.10.1961 bis auf Platz 6 kletterte. Auch die Griechin Melina Mercouri wurde zwar 1960 über die speziell von Heliodor für United Artists-Platten entwickelte 3200er Nummerierung veröffentlicht, während sie über Polydor mit ihrer deutschen Version von „Les Enfants Du Pirée“, „Ein Schiff wird kommen“ (24353), ihren deutschen Platz 8 in den Charts im November 1960 schaffte. United Artists befand sich 1960/61 in der Orientierungsphase. Mit Musicor wurde ein spezielles Teenager-Label für die Musik von Gene Pitney gegründet. Als Gene seinen ersten kleinen Hit „(I Wanna) Love My Life Away“ schaffte, erschien dieser im März 1961 auf UK-London 9270 und bei uns auf London DL 20393, ehe United Artists das kurioserweise als im September 1961 eingespielt geltende „Town Without Pity“ (so in der Bear Family-Discographie auf BCD 15724 AH) über seine eigene Vertriebspartnerschaft in England im Februar 1962 auf HMV POP 952 veröffentlichte. Der deutsche Matrizenherstellungshinweis „D 1“ im Lack von Heliodor 45 3209 weist aber eindeutig April 1961 aus, da auf Heliodor die Singles nach dem Polydor-System (A für Januar, B für Februar etc., 8 für 1958, 9 für 1959, 0 für 1960 etc.) im Lack gekennzeichnet wurden. Der Film „Stadt ohne Mitlied“ (Town Without Pity) von Regisseur und Produzent Gottfried Reinhardt mit u.a. Kirk Douglas (dt. Stimme: Heinz Drache), Barbara Rütting, Christine Kaufmann und Mal Sondock startete nach seinem Dreh 1960 in Bamberg und Forchheim (Herder-Gymnasium) jedoch in Deutschland schon am 24.3.1961, in Amerika wie die Musicor-Single erst ab Oktober 1961, so dass der April 1961 für die Heliodor-Single logisch ist. Die Veröffentlichung direkt auf United Artists im Jahr 1962 hatte dann mit dem englischen Hitparadenerfolg im März 1962 zu tun, der wie der US-Hit aus dem Dezember 1961 (Platz 13) dazu führte, dass Dimitri Tiomkin und Ned Washington Anfang 1962 in den USA einen ´Golden Globe´ für den Song gewannen. Es gab auch in Italien bereits ab 28.9.1961 eine Version auf United Artists 3014 (aus dem Film „Citta´ Spietata“) zu kaufen, weshalb die Aufnahme von Gene möglicherweise schon im September 1960 stattfand. Am 9. Februar 1962 entstand in Hamburg die deutsche Fassung „Bleibe bei mir“, die man in Deutschland im Frühjahr 1962 direkt über United Artists 67019 herausbrachte. Die Heliodor-Single war also im Fall von Gene Pitney schon vor der amerikanischen Veröffentlichung erschienen: eine nicht alltägliche Ausnahme!

Amerikanische Instrumentals wurden nicht nur zu Hits auf London DL, sondern auch im Fall von „Chi Chi“ für Heliodor. UK-London und London DL hatten 1959/60 die ersten Platten von Johnny & The Hurricanes herausgebracht, die in den USA von Warwick veröffentlicht worden waren. Als die Hurricanes im Sommer 1960 zu Big Top Records wechselten, wurden sie in Deutschland auf Heliodor veröffentlicht, in England jedoch weiter durch London. Doch auch in Deutschland brachte man noch aus ihrem Warwick-Katalog 1961 die Single „Corn Bread“ (DL 20422) als Konkurrenz zu Heliodor heraus, da Johnny & The Hurricanes sich im Juli 1960 in den hiesigen Charts mit der Heliodor-Platte „Down Yonder“ (45 3077) bei 4 Wochen Laufzeit bis auf Platz 32 schieben konnten und vorher, von Dezember 1959 bis Juni 1960, mit drei deutschen Charts-Einträgen auf London DL durchaus hierzulande erfolgreich waren. Wer gibt schon gerne Hit-Interpreten an die Konkurrenz ab!

 
Nun noch eine kleine Farb- und Nummernkunde zur unten stehenden Discographie: die ersten Platten bis 45 3022 erschienen mit dem typischen weiss-rosa-Label, blauem Heliodor-Schriftzug und dem blauen Rechteck mit weißer Schrift für „U.S.A“ (darunter „Production“) und der Angabe „Recorded By...(Firma)“ unterhalb des Mittellochs. Ab 45 3023 erschienen die Singles in schwarzer Grundfarbe mit rosa Labelbezeichnung „Heliodor“, dazu weißen Kästchen „USA Production“ und „GEMA BIEM“, während die Titel-, Texter-, Interpretennamen in goldener Schrift zu lesen waren und der Hinweis „Recorded By…“ rechts unter der goldenen Bestellnummer ebenfalls in dieser Farbe zu lesen stand. Bei Nachpressungen wie beispielsweise von 45 3007, 3010 oder 3016 kam ebenfalls das „schwarze“ Logo zum Einsatz und die Promo-Labels (so für 45 3029 mit weißem Logo) variierten. Die erste Bildhülle erschien zu 45 3008, dann folgten 3016, 3027, 3030, 3031, 3032 (I), 3033 (NL), 3052, 3059, 3067, 3079 (NL), 3084, 3086 (2x different cover from DK), 3089 (DK), 3096, 3099, 3103, 3108, 3120, 3124, 3126 bis 3130, 3131 (Madison Lochcover), 3134, 3135, 3137, 3138, 3140, 3142, 3143 und 3206. Besonderheiten waren auch die Platten 45 3030 und 45 3031 der Chordettes, die mit einer Bildhülle als Stereopressungen 40 3001 und 40 3002 erschienen. Wer gerne die farbigen Logos und Hüllen der Heliodor-Singles anschauen möchte, der ist im Internetforum von Harald Bluschke (www.rocknroll-schallplatten-forum.de) ein willkommener Gast. Zum Bucheinstieg über Heliodor empfiehlt sich „Roll Over Beethoven“ von Rüdiger Bloemke (Hannibal Verlag, 1996).

Auf Heliodor erschienen in der 3000er Serie keine landeseigenen Produktionen, sondern lediglich Übernahmen amerikanischer Veröffentlichungen. Die möglicherweise einzige Ausnahme von dieser Regel bildete die in Deutschland speziell für den holländischen Markt hergestellte Platte Heliodor 453922 aus dem Februar 1962 von Frankie Sands And His Sing Sing Twisters mit den Songs „Twistin ́ Sailor“ und „Liebestraum-Twist“, bei der zwar „USA- Produktion“ angegeben ist, jedoch keine US-Firma genannt wird. „Liebestraum-Twist“ chartete in Holland im April 1962 (Platz 14) und es gab daneben noch eine landessprachige Version des Ulk-Duos De Wama ́s, die im Mai 1962 dort Platz 21 der Charts erreichte. De Wama ́s bestanden von 1940 bis 1973 aus Wim van Wageningen (1918-12.7.1986) und Dik van der Maat (1917-22.6.1980). In Deutschland platzierte sich die Variante von Christian Bruhn alias Charly Cotton ab 1.3.1962 (Ariola 45265) bei 4 Wochen Laufzeit auf Platz 46 der Hitparade, während in Dänemark und Schweden Little Gerhard als ́Lille Gerhard ́ seine Landesversion auf Karusell KFF 390 herausbrachte. Rätselhaft ist auch, ob Frankie Sands identisch mit dem Interpreten ist, der 1958 zwei Imperial-Singles u.a. mit einer Coverversion von „Bluebirds Over The Mountain“ (Imperial X 5495) und „Got Me A Baby“ (Imperial X 5535) eingespielt hatte und später dann als Crooner für Protone und Plazza recordete, da er auf der Heliodor-Scheibe einen eher schreienden Gesangsstil pflegte und damit stimmlich nicht vergleichbar ist.

Zu den Heliodor-Veröffentlichungen, die man mit Vokalgruppen-Rock ́n ́Roll oder Doo Wop umschreiben könnte und von der US-Firma Laurie lizenziert wurden, gehören die Singles von Dion & The Belmonts, Dion und von The Passions, die aus Brooklyn, New York, kamen. Sie bestanden aus Jimmy Gallagher (lead), Tony Armato (erster Tenor), Albee Galione (zweiter Tenor) und Vinnie Acierno (Bariton). Nach der zweiten Platte „Oh Melancholy Me“ wurde Acierno durch Lou Rotondo ersetzt. Der Manager hieß Jim Gribble und die Passions kamen bei Sol Winkler ́s Firma Audicon Records unter, die ihren Vertrieb über Laurie Records lancierte und so im August 1959 zu der deutschen Platte 45 3062 gelangte, weil beide Songs zu Hits in den USA reiften. Neben den seit Mitte 1958 von Mohawk zu Laurie gewechselten Belmonts Dion DiMucci (lead), Fred Milano (erster Tenor), Carlo Mastrangelo (Bass) und Angelo D ́Aleo (zweiter Tenor), die sich am 17. Oktober 1960 von Dion trennten, hatten The Mystics zwei Heliodor-Veröffentlichungen. Die Gruppe bestand aus Phil und Al Cracolici, Al Contrera, Bob Ferrante und George Galfo und sie hatte als ihren Lead-Sänger abwechselnd Jay Black von Jay And The Americans und den jungen Jerry Landis, besser bekannt als Paul Simon. Neben Laurie bescherte die US-Platte Dunes 2007 mit Curtis Lee und „Pretty Little Angel Eyes“ im August 1961 Heliodor (45 3109) einen weiteren Titel, den man unter dem Terminus Doo Wop sehen kann, während sich die Musikexperten bei der sicherlich schönen Big Top-Platte 3079 mit Don & Juan ́s „What ́s Your Name“, die bei uns im März 1962 (45 3118) erschien, darüber streiten, ob dies nicht „nur“ purer Pop ist. Don & Juan waren eigentlich Roland Trone und Claude Johnson (24.11.34-31.10.02; vorher Mitglied bei The Genies). Die Firma Calico (117) veröffentlichte im April 1960 das Original von Heliodor 45 3081, „Pennies From Heaven“ von The Skyliners als deren fünfte Single. Sie wurden vor allem durch ihren 1959 von Lenny Martin arrangierten Hit „Since I Don ́t Have You“ (Calico 103-104) zu einem Begriff für die Fans. The Skyliners kamen aus Pittsburgh und sie bestanden aus Jimmy Beaumont, Wally Lester, Jack Taylor (vorher bei The Crescents), Joe Versharen und Janet Vogel. Ihr Manager Joe Rock benannte sie nach dem Song „Skyliner“ von Charlie Barnett.

 
Aus dem Repertoire von Class Records übernahm Heliodor ebenfalls einige interessante Scheiben. Auf 45 3045 wurden The Titans im Juli 1959 veröffentlicht, eine Los Angeles- Gruppe, die aus Leadsänger Curtis McNair, Charles Wright, Sam Barnett und Larry Green bestanden hat. Als Vorbild für ihren Namen stand die damals neue Titan-Rakete der US-Air Force. Zunächst waren sie für jeweils eine Single bei Vita und Specialty, dann nahmen sie mit „No Time“ für Class eine Abwandlung von Chuck Berry ́s „Too Much Monkey Business“ auf, die jedoch nicht wirklich erfolgreich wurde. Die Gruppe brach auseinander und Charles Wright sang auf einigen Platten der Shields, bevor er die Ende der 60er Jahre populäre Watts 103rd Street Rhythm Band leitete, die rund ein halbes Dutzend Hits hatte. Schon 1956 waren die Titans mit dem Song „So Hard To Laugh“ in dem Musikstreifen ́Bop Girl Goes Calypso ́ vertreten. Urgestein Bobby Day, der am 1.7.1932 in Fort Worth, Texas, geboren wurde und im Juli 1990 verstarb, war zunächst unter seinem Namen Robert Byrd ab 1947 in der Musikszene von Los Angeles aktiv und er gehörte bald den Hollywood Flames an, die für John Dolphin ́s Labels sehr aktiv wurden, darunter auch unter dem Pseudonym The Voices bei Cash Records. Sein „The Bluebird, The Buzzard And The Oriole“ war im Dezember 1958 in den USA auf Platz 54 der Billboard-Pop-Charts zu finden, bevor im Februar 1959 die Heliodor-Single 45 3024 erschien. Der Sohn von Class-Plattenboss Leon René (1902-1982), Googi René, war wie sein Vater kreolischer Abstammung. Raphael Leon René, so sein voller Name, wurde am 30.3.1927 in Los Angeles geboren und besuchte dort die Dorsey High School. Er komponierte und spielte Piano, bevor die Army ihn rief. Insgesamt hatte er drei kleinere Hits bei Class/Rendezvous mit „The Slide, Part 1“ (1961; Platz 20 R&B-Charts), „Flapjacks, Part 1“ (Platz 25 R&B, 1963) und „Smokey Joe ́s La La“ (Platz 77 Pop; Platz 35 R&B; 1966).

Zu den ständigen Original-Labels auf Heliodor gehörten neben Cadence noch Big Top, Dunes, Chancellor mit den Teeny-Stars Fabian, Frankie Avalon, dem Musiker/Produzenten Peter De Angelis und der jungen Jodie Sands, aber auch für mehrere Platten die Firma Del-Fi Records. Neben den Addrisi Brothers, deren Story an anderer Stelle geplant ist, waren die Carlos Brothers, Film-Sternchen Johnny Crawford und Ritchie Valens unter den Veröffentlichungen. Zu den Everly Brothers und den schon 1946 in Sheboyan, Wisconsin, gegründeten Chordettes, die aus Dorothy Schwartz, Janet Ertel, Carol Buschman und Jinny Lockard bestanden, sei ebenfalls an dieser Stelle nicht viel geschrieben. Die Chordettes wurden nach Aufnahmen bei Columbia von Cadence-Besitzer Archie Bleyer vor allem deshalb gepuscht, weil dieser Janet Ertel 1954 geheiratet hatte. Der Titel „Lollipop“ (45 3004) der Chordettes von Songwriterin Beverly Ross hatte ursprünglich „Bubble Gum“ geheißen, bevor er von Co-Writer Julius Dixon verändert und bei Edward B. Marks Music verlegt wurde. Ross hatte ihn gemeinsam mit dem 15-jährigen Ronald Gumby als Demo gesungen und Marks-General-Manager Arnold Shaw brachte das Lied bei RCA unter, wo die Single RCA 7174 (UK: 1053) erschien. Da Beverly Ross mit ihrem kaukasischen Gesicht nicht ganz TV-tauglich schien, wurde sie auf der Bühne durch ein anderes Mädchen ersetzt, als das Original von Ronald & Ruby erschien und sich auf Platz 20 der US-Pop-Charts platzierte. Beverly Ross wurde dann eine begehrte Songwriterin mit Titeln wie „The Girl Of My Best Friend“ und „Remember Then“. „Bye Bye Love“ von den Everlys gab es 1957 in zahlreichen Versionen, darunter u.a. von Webb Pierce (Decca 0-30321), Chuck Miller (Mercury 71118), Dave Burgess (Tops R 308), Jack Kingston (Quality 1596), Richard & Johnny (Gateway 1217) und T. Tommy (Dot 15576). Überraschend viele Veröffentlichungen auf Heliodor gab es mit Cadence-Material von Andy Williams, weil dieser offensichtlich mit seiner Musik zu Deutschland passte. Mit Johnny Tillotson, der am 20.4.1939 in Jacksonville, Florida, geboren wurde, kam nach einem Talentwettbewerb durch Hilfe von Lee Rosenberg ein Teenystar zu Cadence, der auch Duette mit der französisch-stämmigen Genevieve sang und bei Heliodor mit seiner Coverversion „Lonesome Town“ im November 1958 eine Alternative zu Ricky Nelson darstellen sollte, der bei London DL veröffentlicht wurde. Die Barry Sisters hatten 1960 zahlreiche TV-Auftritte in Deutschland und den Benelux-Ländern mit ihren jüdischen Songs, weshalb ihre Lieder von einer 1957er Cadence-LP im März 1960 auf Heliodor 45 3070 neu erschienen. Auch die Platte von Johnnie Ray (45 3087) stammte von Cadence (1387), doch Ray hatte seine großen Tage bereits weit hinter sich. Lenny Welch wurde mit „Pony Time“ (45 3101) zu Karrierebeginn im April 1961 eine Alternative zu Chubby Checker und US-Teeny Eddie Hodges war mit „I ́m Gonna Knock On Your Door“ (Cadence 1397; 45 3103) im Juni 1961 auf Platz 12 der US-Pop-Charts zu finden, schaffte hier jedoch keinen Durchbruch trotz des weiteren US-Platz 14-Pop-Hits „Girls, Girls Girls (Made To Love)“ (Cadence 1421; 45 3126).

 
Nach der ersten Heliodor-Scheibe aus dem Katalog von Big Top von Bobby Pedrick Jr. (45 3013) wurden vor allem Del Shannon und Johnny And The Hurricanes die Hauptstars dieses Übernahmedeals. Aber auch Joel Grey, Johnny Gibson, Miss Toni Fisher, Andrea Carroll, Sammy Turner und The Notables (45 3138), die wahrscheinlich aus den australischen Denvermen bestanden, rundeten den Katalog der Big Top-Originale auf Heliodor ab, zu denen auch Pete And Vinnie gehörten, die eigentlich Pete Anders & Vinnie Poncia hießen und sich in den 60er Jahren als Produzenten in den USA versuchten. Andrea Carroll, geboren am 3.10.1946 in Cleveland, sang ihren Hit (45 3139) aus der Feder von Neil Sedaka mit den Hintergrundstimmen von The Chiffons und Ellie Greenwich.

Zu den auf Heliodor veröffentlichten eher obskuren US-Labels gehörten neben Sandy (Travis & Bob) die Firmen Hanover-Signature von Steve Allen und Bob Thiele (Don Elliott und Alexander „Sasha“ Burland in Chipmunks-Manier als The Nutty Squirrels), Gone (Tom Carney), Glamorous Music (The Sheldons), Moonglow (Harry Ran, Mike Rider), Broude Brother (Art Harris & The Cadets) und Joy (Gorman Sisters), während aus dem Hause Legrand Records Gary US Bonds sein „New Orleans“ (45 3090; Legrand 1003) im November 1960 bei uns herausbrachte. Möglicherweise unter deutscher Mithilfe durch Claus Ogerman sind die Heliodor-Platten 45 3112 (Klaus & Orchester) und 45 3121 (Dave Dacosta) in Amerika produziert worden. Dort gab es Musik von Dave Dacosta And The Strollers, die vorwiegend aus englischen Musikern bestanden und auch in Deutschland (Star Club) aktiv waren. Dave Dacosta heißt eigentlich Dave Constable und er war Drummer bei Sonny Stewart & The Dynamos, während der Gitarrist der Strollers Pete Butt hieß. Von den Strollers wurde auch die US-EP „Pony Time“ veröffentlicht. Mit Glamorous Music war Claus Ogerman neben Verve/MGM als Producer, Arrangeur und Komponist verbandelt und die Sheldons-Platte „The Shark“ hatte in den USA 1962 die Komponistenangabe ́G. Heigel ́, bevor 1965 The Shadows ihre Version „Stingray“ (UK: Columbia 7588) einspielten, die als Komponisten ́Claus Ogerman ́ nennt. Ogerman, geboren am 29.4.1930 in Ratibor (heute Polen), arrangierte übrigens sogar Songs für die oben erwähnte Andrea Carroll bei RCA („Sally Fool“; 47-8618), vor allem jedoch Lieder für Lesley Gore.

Mit seinem sehr abwechselungsreichen Katalog aus US-Übernahmen für Deutschland ist Heliodor eines der interessanten Labels der 50er und frühen 60er Jahre, weil es den jungen Käufern den Rock ́n ́Roll und die aufkeimenden Teeny-Songs für „kleines“ Geld auf Singles und insgesamt 45 EPs näher brachte, während die deutschen LP-Veröffentlichungen, die „größeres“ Geld kosteten, eher den Jazz-Interpreten (Ausnahme: Johnny And The Hurricanes) vorbehalten blieben. Aufgelistet sind aber auch einige seltene EPs und LPs aus dem Ausland, die für den Rock ́n ́Roll-Kenner von Bedeutung sind.
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